Protokoll der Fachgruppe WI-VM zum Workshop vom 12.-13.4.2007

Improvement-Ansätze haben sich weitgehend unabhängig von Vorgehensmodellen entwickelt und stehen nicht zuletzt wegen der Initiativen um das junge V-Modell XT verstärkt im Interesse der Vorgehensmodellanwender: Sind CMMI, SPICE, ITIL kompatibel mit Vorgehensmodellen all-gemein und dem V-Modell XT im Besonderen?

Der Workshop war diesmal zu Gast an der Technischen Universität München, am Institut für In-formatik von Prof. Dr. Manfred Broy. Herr Broy gab in seiner Begrüßungsrede einen Einblick in Arbeiten des Instituts und dort entwickelten Grundlagen zur Flexibilisierung und Automation des V-Modell XT, welche die umfangreiche inhaltliche Ausstattung leicht zu beherrschen helfen.

 

Donnerstag der 12.4.2007

Der erste Tag, Donnerstag der 12.4.2007, wurde den Themen IT-Governance und Process Improvement gewidmet.

Den Einstieg in den umfangreichen Themenkomplex gab JProf. Dr. Matthias Goeken, HfB Busi-ness School of Finance&Management, Frankfurt mit einer Übersicht über Referenzmodelle für Betrieb und Entwicklung von Anwendungssystemen und Fragen zur Integration und Zertifizie-rung.

Über Erfolgsfaktoren und Erfahrungen zur Prozesseinführung und Prozessreifung in der Praxis:, sprach Ove Armbrust, vom Fraunhofer IESE.

In Folge wurden einige Frameworks zum Improvement, mit kürzlichen Neuerungen, Zertifizie-rungsmöglichkeiten und Praxiserfahrungen, vorgestellt:

  • CobiT – Rahmenwerk für IT Governance, Alfred Heiter, Ernst&Young Wien
  • CMMI Version 1.2 – Was hat sich in der praktischen Umsetzung geändert, Dr. Eckhardt Wirth
  • Erfolg mit CMMI Level 2 Assessments, Michael Paulweber, AVL LIST GMBH
  • Praxisbericht über die Einführung von CMMI inklusive SCAMPI Level 3 Assessment, Thomas Auer, Thales Rail Signalling Solutions GesmbH (ehemals ALCATEL), Wien
  • Add SPICE to your life, Dr. Jürgen Schmied, Vorstand, method park Software AG
  • AutomotiveSPICE Assessorenausbildung, Assessment Tools, und Anwendung des SPICE-Reifegradmodells auf andere Prozessgebiete, Andreas Nehfort, Wien
  • Automotive SPICE als ISO15504-konformes Process Assessment Modell, Erfahrungsbericht, Prof. Dr. Roland Petrasch, qme-Software

Freitag den 13.4.2007

Am Zweiten Tag, dem Freitag den 13.4.2007, wurden Zertifizierungsmodelle, Implementie-rungsfragen und ausgewählte Anwendungen des V-Modell XT behandelt

Die Psychologischen Widerstände bei der Einführung computer-gestützter Vorgehensmodelle, stellte Prof. Dr. Gerhard Chroust, Kepler Universität Linz, vor.

Einen Dokumenten-getriebenen Ansatz zur Software-Entwicklung stellt Beate Muranko, vom, Institute of Computer Science, University of Bremen vor.

Ein Beispiel Domänenspezifische Modellierung zeigte Edward Fischer, vom Institut für Informa-tik, Technische Universität Clausthal, im Kontext des dort in Weiterentwicklung befindlichen V-Modell XT.

CollabXT – Ein Ansatz zur automatischen Erzeugung von Kollaborationsportalen aus dem V-Modell XT wurde von Georg Kalus dargestellt.

Sehr erfreulich war, dass mit Dietmar Winkler, TU Wien, Institut für Softwaretechnik und Inter-aktive Systeme aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stefan Biffl, ein weiterer Vortrag aus Öster-reich gewonnen werden konnte. Inhalt war ein im Österreichischen Bundesrechenzentrum ver-wendeter Ansatz zum Methoden-Tailoring zur Produkt- und Prozessverbesserung in Form einer V-Modell XT Erweiterung.

Die Verbindung von Wissensmanagement und Vorgehensmodellen am Beispiel der Wissensorien-tierten Unternehmensführung nach North, wurde von Wolfgang Turk, FH-Wien dargestellt, als Anwendung der Konzepte des V-Modell XT.

Am Beispiel aus der Praxis eines Entwicklerteams stellte der Vortrag von Christian Kleinhenz, FH Kufstein, „Hybride Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklung“ dar.

Großes Interesse, fand ein ähnlich gelagerter Vortrag mit der Erörterung der Anpassung des V-Modell XT für den Einsatz in der Entwicklung technischer Anlagen, von Gerald Matzka, FH-Wien, da ein erstaunlich hoher Anteil von fachfremden Ingenieuren den Weg zur Fachgruppe ge-funden hatte. Dort wurde auch der Wunsch geäußert, bei zukünftigen Workshops noch mehr fachübergreifende Vorgehensmodelle und den gesamten Life-cycle einzubeziehen, da das Thema bei den Ingenieurswissenschaften aus Software-Sicht unterversorgt ist, und außerdem am Ende ein Gesamtsystem erstellt werden muss, aus Software, IT-Hardware und anderen Technischen Komponenten aus Elektronik, Autotechnik, Anlagenbau, Elektrotechnik, Maschinenbau.

Das Fachgruppentreffen am Abend des 13.4. stellte ein großes Interesse an der Fortsetzung der von Reinhard Höhn, Herbert Wetzel, Stephan Höppner 2005 gegründeten Arbeitsgruppe „Vorgehensmodelle Typisierung“ fest. Zielsetzung ist dort auf der Basis der Vorarbeiten der Arbeits-gruppe einen praxistauglichen Katalog von Vorgehensmodellen zusammenzustellen, die einzelnen Modelle

  • nach einem einheitlichen Schema (Historie und Motivation, Einordnung und Abgrenzung, Aufbau, Charakteristik) zu beschreiben
  • mit einem Morphologischen Kasten der Beschreibungsdimensionen zu charakterisieren, (Modellkomponenten, Domänenbindung, Formalisierung, Generizität, Phasenabdeckung, Gestaltungsgegenstand)
  • mit Ausstattung, Toolunterstüzung und anderen Auswahlhinweisen, wie Erfahrungswerten zum Aufwand und zur Akzeptanz

Das Ergebnis der ersten Abstimmungen der Vorarbeit zum morphologischen Kasten, die Be-schreibungsdimensionen als Spiderdiagramm-Skelett, ist aus der folgenden Grafik ersichtlich.

Hierzu wird bis Ende Juli eine Formatvorlage erstellt und eine Übersicht, wer schon welche Vorgehensmodelle bearbeitet hat, auf der Web-site der Fachgruppe bereitgestellt. Hier sind auch wei-tere Vorschläge noch aufzunehmender Vorgehensmodelle (im weitesten Sinne) sehr willkommen. Interessenten wenden sich bitte an hoehn@eunet.at. Jedes VM wird doppelt besetzt mit Haupt-Autor und QS-Autor. Bereits beschriebene Vorgehensmodelle sind: V-Modell 97, V-Modell XT, ARIS, IDEF, OTK, RUP, Zachmann Framework, PROMET, DWLTK (Kimbal). Besetzt aber noch nicht beschrieben sind MSF, PRINCE, PMBOK. Vorgeschlagen und unbesetzt sind SADT, SADM, SA/SD, SSADM, FAOR, CommonKADS, OOSA (Shlaer, Mellor).

Als Mentor des Kataloges hat sich Prof. Dr. Gerhard Chroust aus Linz bereit erklärt. Den Band tragen Reinhard Höhn, Marco Kuhrmann und Oliver Linssen redaktionell zusammen.

Der Schwierigkeit, öffentliche Modelle von firmeninternen Modellen zu unterscheiden, und die Grenze zu ziehen, zu Modellen von öffentlichem Interesse in der Community, ist sich die Arbeits-gruppe bewusst.

Unser langjähriges Mitglied Hubert Biskup, IBM Rational, stellte die Arbeiten der seit 1994 um Wolfgang Hesse arbeitenden Arbeitsgruppe „Begriffe zum Software Engineering“ vor. Das Ergebnis ist im letzten Spektrum der Informatik erschienen.

Für den nächsten Veranstaltungsort wurden drei Städte vorgeschlagen: München (14), Berlin (8), Wien (10).

Als Themenschwerpunkte für die nächste Veranstaltung wurden empfohlen:

  • Produkt- und Projektmanagement, Produkt-Lebenszyklusmanagement
  • Benchmarks: Services und Methoden, Bezugsmöglichkeiten, Umfang, Wirtschaftlichkeit des Vorgehensmodelleinsatzes
  • Kombination und Interaktion von und zwischen Vorgehensmodellen
  • Vertiefung der Praxis der gängigen Improvement-Ansätze mit weiteren Praxisbeispielen.

Im Anschluss an das Fachgruppentreffen trafen sich ca. 30 Teilnehmer zum gemütlichen Abendessen in einem Biergarten eine U-Bahn-Station entfernt, von Marco Kuhrmann organisiert. Die Or-ganisation für die 14. Auflage des seit 1985 durchgeführten Workshops lag bei Reinhard Höhn (PK) und Marco Kuhrmann (OK).

Den Workshop besuchten in diesem Jahr ca. 70 Teilnehmer, die höchste gleichzeitige Anwesen-heit lag bei 51 Teilnehmern. Der hohe Anteil österreichischer Kollegen, sowohl unter den Vortra-genden, als auch unter den Zuhörern haben wir wohl auch der stetigen Unterstützung durch die OCG Wien, in Person dem Genaralsekretär Eugen Mühlvenzl zu verdanken. Weiter so.

Meine Kollegen des Leitungsgremiums (Hubert Biskup, Marco Kuhrmann, Stephan Höppner (stv. Sprecher), Roland Petrasch) und die Fachgruppenexperten (Herbert Wetzel, Gerhard Chroust, Ralf Kneuper) freuen sich mit mir auf eine wachsende „Community Vorgehensmodelle“.

Autor dieses Berichts: Reinhard Höhn, KMA, Sprecher der Fachgruppe

Letzte Änderung: 2010-08-23 durch Oliver Linssen