Bericht vom Workshop

Autor: Manuela Wiemers

Aufgrund der aktuellen Marktsituation, in der sich etliche Vorgehensmodelle anbieten, steht der potentielle Anwender erneut vor der Frage, welches Vorgehensmodell sich für seinen Bedarf sinnvoll(er) darstellt oder ob auf dem Markt vorgenommene Aktualisierungen auch für ihn notwendiger Weise durchzuführen sind. Das V-Modell XT ist diesbezüglich der aktuelle Vorreiter und es bot sich an, dieser Aktualisierung einen breiten Vortragsraum zu widmen. Zudem stand in ausgeprägtem Maße die Angebotssichtung von Werkzeugunterstützungen – angefangen vom Tailoring eines Vorgehens bis hin zur Unterstützung der Softwareentwicklung über den Software-Lebenszyklus – auf dem Programm.

Im Rahmen eines umfangreichen Sponsorings und hervorragender räumlicher Vortragsbedingungen der Volkswagen Coaching GmbH in Berlin unter den Linden wurden ungewöhnlich viele Vorträge und Werkzeugdarbietungen ermöglicht.

14.4.2005: der erste Tag

Der erste Tag, 14.4.2005, stand ganz im Zeichen des V-Modell XT.

Herr Kuhrmann (TU München, München) stellte das V-Modell XT grundsätzlich vor, machte auf die erfüllten Anforderungen im Vergleich zum V-Modell 97 aufmerksam und legte die derzeitige Pilotprojektphase dar.

Herr Höppner (Aios Consulting GmbH, Berlin) griff den Faden auf und fokussierte auf die Neuerung des V-Modell XT bezüglich stark verbesserter Verpflichtungsbeschreibungen der Auftraggeber-Aufgaben. Zudem schlug er im Anschluss den Bogen zu den Konsequenzen in den Themen Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung.

Herr Wetzel (IMG AG, St. Gallen) grenzte die Inhalte und Vorgaben des V-Modell XT gegen Anforderungen seitens einer IT-Strategie ab und stellte Verbesserungen und Ergänzungsbedarfe dar.

Einschätzung sowohl von Chancen und Risiken als auch von Nutzen- und Kostenaspekten bei der Nutzung des V-Modell XT legte Herr Ahrend (Aios Consulting GmbH, Berlin) auf den Tisch. Die im V-Modell XT diesbezüglich wertvollen Produkte und Aktivitäten wurden in den Kontext relevanter Methoden der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gestellt.

Herr Ralf Kneuper (Beratung für Softwarequalitätsmanagement und Prozessverbesserung, Darmstadt) prüfte die Abdeckung der Anforderungen des V-Modell XT aus der Sicht von CMMI (Capability Maturity Model Integration) und stellte Erfüllung und Nichterfüllung präzise dar.

Da das V-Modell XT entweder neu oder im Sinne einer Migration in Unternehmen eingeführt werden muss, hat Herr Peter Lang (Peter Lang Management- & IT-Consulting, Thun) die Erfolgsfaktoren und bewährte Aspekte und Hilfestellungen vorgestellt.

Als letzter Vortrags dieses Tages und erster V-Modell XT-unabhängiger Vortrag hat Frau Wiemers (Fourth Project Consulting, Wolfsburg) die Anwendung und Dokumentation von best practices angepriesen, die sich in der Projektanwendung zwar auf das vorgegebene Modell stützen, jedoch gerne anderer Modelle additiv bedienen.

Damit war der Übergang geschaffen zum ....

15.4.2005: der zweite Tag

Zweiten Tag, 15.4.2005, mit dem Überblick weiterer Ansätze und Vorgehensmodelle.

Ob der Menge an Vorträgen fand dieser Tag in Form von jeweils zwei Parallel-Sessions statt.

Herr Oliver Linssen (Liantis GmbH&Co KG, Krefeld) fokussierte auf die Model driven Architecture (MDA). Dieser Ansatz hebt auf die Vorteile – ein Tool zur Visualisierung von Abhängigkeiten zwischen fachlichen Anforderungen und Programmquellen, konsequente und saubere Nutzung eines Klassenmodells, Code-Generator und Code-Wartung auch ohne MDA-Codegenerator – ab.

Gleich im Anschluss stellte Herr Kiehne (Intracomgroup, Stuttgart) mit dem Schwerpunkt auf der Anforderungserhebung die Methode QFD (Quality Function Deployment) vor. Der Kern der Methode besteht in der Unterscheidung und schrittweisen Erarbeitung von "Kundenbedürfnissen", "Anforderungen an die Lösung" und "Lösungen".

Herr Filß (TU Dresden, Dresden) widmete sich dem Rational Unified Process (RUP), eines der wichtigsten im Einsatz befindlichen Modelle. Dieses iterative und inkrementelle Modell fußt auf sechs best practices als Grundlage für qualitative Softwareentwicklung.

Das Thema "systematische Softwareentwicklung" – losgelöst von deterministischen Modellen, stellte Herr Apel (Borland) vor. Im Vordergrund stand dabei die praktikable Umsetzung und nicht der theoretische Leitfaden.

Herr Schuhmacher (Institut für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW), Hagenberg) hat sich der agilen Methoden angenommen. Dabei wurde auf SCRUM, Feature Driven Development (FDD), Adaptive Software Development (ASD) und Extreme Programming (xP) eingegangen und erläutert, was diese Methoden verbindet und worin sie sich unterscheiden.

Die Transformation von ARIS- hin zu UML-Modellen wurde von Herrn Schwarz (Gernert und Partner, Berlin) mit seinem aktuellen Fertigungsstand und Zukunftsaussichten vorgestellt. Ziel ist die verlustfreie Transformation der fachlichen in die technische Sicht durch den eindeutig definierten Übergang eines prozessorientierten Modells in ein objektorientiertes.

Wissenschaftlich belegbarer Nutzen bei der Anwendung von Vorgehensmodellen sollte die Entscheidung für oder gegen bestimmte Vorgehensmodelle untermauern – so der Vortrag über Human Knowledge-Management und Decision-Making im Software Development Prozess von Herrn Wendorff (Asset GmbH, Dortmund).

Zur Abrundung wurde von Herrn Völcker (Synspace AG, Basel) die Erfahrung beim Einsatz von SPICE im Finanzsektor vorgetragen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Werkzeuge. Im Rahmen einer Kurzvorstellung und paralleler Werkzeugpräsentationen konnte sich jeder Teilnehmer einen Eindruck über folgende Werkzeuge verschaffen:

  • 4Soft / 4Soft GmbH, München
  • Hyperwave / Hyperwave AG, München
  • Borland / Borland GmbH, Langen
  • InStep / microTOOL GmbH, Berlin
  • Projektron / Projektron GmbH, Berlin
  • Semtation / Semtation GmbH, Potsdam

Hochgradig diskussionsfördernd stellte sich der Beitrag von Herrn Höhn (KMA GmbH, Wien) dar, der den Stand des Arbeitskreises "Klassifizierung von Vorgehensmodellen" umfasste.

Ein gemütliches Treffen am Abend des ersten Tages, die interessante Umgebung an Berlins Unter den Linden und frühlingshaftes Wetter haben den Workshop abgerundet. Die Organisation durch vorrangig Herrn Wetzel, Herrn Höhn und Herrn Höppner hat diesen hochgradig informativen Workshop ermöglicht.

Autor dieses Berichts: Manuela Wiemers (Fourth Project Consulting, Wolfsburg), 02.05.2005

Letzter Stand: 2010-08-20 durch Oliver Linssen