Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2018 (PVM218): Der Einfluss der Digitalisierung auf Projektmanagementmethoden und Entwicklungsprozesse (Tagungsbericht)

Von: Prof. Dr. Martin Engstler, Sprecher der GI-Fachgruppe Projektmanagement (WI-PM)

Am 15. und 16. Oktober 2018 führten die GI-Fachgruppen Projektmanagement (WI-PM) und Vorgehensmodelle (WI-VM) in Kooperation mit der Fachgruppe IT-Projektmanagement der GPM e.V. die bereits fünfte Fachtagung „Projektmanagement und Vorgehensmodelle“ (kurz: PVM) durch. Gastgeber war in diesem Jahr die FOM (Hochschule für Oekonomie und Management) in Düsseldorf.

Die PVM hat sich als wichtige Fachtagung für Projektmanagement und Vorgehensmodelle in Deutschland etabliert. Rund 110 Teilnehmer folgten der Einladung zur diesjährigen PVM2018 nach Düsseldorf. Besonders die Verbindung eines Fachprogramms mit gereviewten Beiträgen aus Wissenschaft & Wirtschaft, die Kompaktbriefings für Einsteiger und der fest im Tagungsprogramm integrierte Erfahrungsaustausch mit zahlreichen Open Spaces wird von den Teilnehmern geschätzt, was sich im durchweg positiven Feedback zur Tagung wiederspiegelt.

Die Sprecher der GI-Fachgruppen Projektmanagement und Vorgehensmodelle mit ihren Stellvertretern, zusammen mit dem Sprecher der Fachgruppe IT-Projektmanagement der GPM 

(von links: Dr. Masud Fazal-Baqaie, Prof. Dr. Oliver Linssen, Prof. Dr. Eckhart Hanser, Alexander Volland, Prof. Dr. Martin Engstler) 

Leitthema: Die Digitalisierung und die Implikationen für das Projektmanagement

Unter dem Leitbegriff der Digitalisierung werden Politik und Wirtschaft vielschichtige Ansätze vorangetrieben, die sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft nachhaltig verändern werden. Digitalisierungsstrategien verbinden hierzu aktuelle technologische Trends mit innovativen Geschäftsmodellen. Damit verbundene Umsetzungsprojekte können nur in erweiterten inter- und transdisziplinären Projektmodellen realisiert werden, bei denen agile Denkmuster die Grundlage für experimentelle Lernprozesse bilden. Zugleich gilt es zudem die komplexen Herausforderungen der hierzu notwendigen Transformationsprozesse in den Unternehmen und Projekten zu beherrschen. 

 

Im Mittelpunkt der PVM2018 stand die Frage, ob die voranschreitende Digitalisierung einen Einfluss auf die Projektmanagementmethoden und Entwicklungsprozesse hat bzw. ob hierfür gegebenenfalls neue Ansätze zu entwickeln sind. Auf den Prüfstand gestellt wurden insbesondere die heute vorhandenen Projektstrukturen und Vorgehensmodelle, mit denen die steigende Komplexität in der Lösungsentwicklung- und Umsetzung heute und morgen beherrscht werden sollen. Durch den bereits eingeleiteten Wandel von traditionellen („ergebnisgetriebenen“) zu modernen („lösungsgetriebenen“) agilen Ansätze im Projektmanagement, wurde in den letzten Jahren eine gute Basis für die Beherrschung der neuen Herausforderungen in Digitalisierungsprojekten geschaffen, die auch Umsetzung disruptiver Ansätze ermöglicht. Ob dies ausreicht und wie die handelnden Akteure hierauf vorbereitet sind, wurde in den Fachbeiträgen und Future-Track-Vorträgen, sowie den Open Spaces auf der PVM2018 auf verschiedenen Ebenen eingehend diskutiert. 

 

Beide Konferenztage wurden jeweils mit einer Keynote eröffnet. Am ersten Tag vermittelte Matthias Heinrich (Manager Digital Solutions, GEA Westfalia Separator Group GmbH) mit seinem Vortrag „Von Prinzipien und Werten zur eigenen Methode – Agiles Denken und Handeln bei einem Maschinenbauer etablieren“ einen Einblick in die Praxis der agilen Produktentwicklung. Neben der Auswahl geeigneter Methoden, die heute in hinreichender Zahl und Güte vorhanden sind, bedarf es vor allem auch eines intelligent moderierten Prozesses, um die Potenziale der Digitalisierungsvorhaben erfolgreich zu heben, so das Fazit seines Beitrags. 

 

Den zweiten Konferenztag eröffnete Prof. Dr. Eckhart Hanser (DHBW Lörrach und Sprecher der GI-Fachgruppe WI-VM) mit der Keynote „Warum IT-Projekte agil werden müssen“. Mit einer Zeitreise durch die Geschichte der Vorgehensmodelle seit 1970 bis heute, d.h. vom Wasserfallmodell bis zu agilen bzw. hybriden Ansätzen, veranschaulichte er den Wandel der IT-Projekte und zeigte, dass es nicht nur einen zeitlichen, sondern auch einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen Digitaler Transformation und der Entstehung agiler und hybrider Vorgehensmodelle. Dadurch ist die Branche heute auch für disruptive Ansätze überwiegend gut gerüstet. Er blickte anlässlich des 25-jähriges Bestehens der GI-Fachgruppe Vorgehensmodelle auf deren wichtige Beiträge in diesem Fachgebiet zurück und dankte allen, die sich in diesen Jahren hier engagiert haben. 

 

Das Hauptprogramm beider Konferenztage umfasste dreizehn Expertenbeiträge aus Wissenschaft und Praxis, die in einem Peer-Review-Prozess von einem Expertengremium ausgewählt wurden. Der fachliche Diskurs über Vorgehensmodelle und Projektmanagementansätze für Digitalisierungsprojekte umfasste eine erste Bestandsaufnahme zum Stand des Managements von Digitalisierungsprojekten in den Unternehmen und vertiefte verschiedene Facetten des Themenfelds über den gesamten Projektzyklus. Zur Beschreibung eines modernen Innovationsverständnisses wurden Methoden des Innovationsmanagements bzw. Open Innovation in Digitalisierungsprojekten vertieft und Erfahrungen mit Kombinationen von Innovationsmethoden wie Design Thinking mit agilen Entwicklungsansätzen reflektiert. Ergänzend dazu wurden Rahmenkonzepte wie agile bzw. hybride Konstruktionsmuster und damit verbundene Projektsteuerungsansätze untersucht, sowie neue Kooperationsmuster, wie z. B. kollaborative Frameworks in adaptiven Entwicklungsprojekten oder DevOps-Ansätze, vertieft. Dabei wurde auch kritisch hinterfragt, ob neue Ansätze wie die Künstliche Intelligenz bei der Wahl des Vorgehensmodells oder auch im Projektmanagement selbst eingesetzt werden können und welche Potenziale damit zu heben sind. Abgerundet wurde der fachliche Diskurs mit Beiträgen zu den zu beachtenden Rahmenbedingungen in der Umsetzung, seien es formale bzw. regulatorische Grenzen oder Erfolgsfaktoren und Hürden bei der Umsetzung der Digitalisierungsprojekte in Unternehmen. Dabei ist dem Faktor Mensch auch in Zukunft besondere Aufmerksamkeit zu schenken. 

 

Wie in den Vorjahren vergab die Fachgruppe Vorgehensmodelle einen Best Paper Award für einen herausragenden Beitrag der PVM2018. Ausgezeichnet wurde der Beitrag „Erfolgsfaktoren und Misserfolgsfaktoren im Projektmanagement“ von Johannes Schopp und Matthias Goeken.

 

Ergänzend zu den Beiträgen im Hauptprogramm lieferten die sieben ausgewählten „Future-Track-Vorträge“ wertvolle Impulse und adressierten hierbei insbesondere die Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben in den Unternehmen. Im Mittelpunkt standen hierbei Fragen der organisatorischen Verankerung von Digitalisierungsprojekten, Herausforderungen bei der Umsetzung agiler Ansätze in Geschäftsprozessen und neuer IT-Architekturen, die Rolle von Intrapreneuren bei diesen Digitalisierungsinitiativen und die Ausgestaltung der internen Kommunikation bei konkreten Digitalisierungsprojekten in den Unternehmen. Die Impulse wurden teils mit aktuellen Studienergebnissen bzw. Designs für geplante vertiefende Studien diskutiert und durch praktische Erfahrungsberichte bereichert.

 

Nun zum zweiten Mal wurde das Tagungsprogramm durch die sogenannten „Kompaktbriefings“ zu aktuellen Themen bezüglich Projektmanagement und Vorgehensmodelle (Agilität in traditionellen Projekten, Übergang vom Wasserfall in die agile Welt, Security by Design und Wirtschaftsspionage) ergänzt.

 

Abgerundet wurde das Programm durch eine Führung im Medienhafen der Stadt Düsseldorf und das traditionelle, gemeinsames Konferenz-Dinner am ersten Tagungsabend. Am zweiten Tag fanden außerdem die Treffen der beteiligten Fachgruppen der GI und GPM statt. Auf dem Fachgruppentreffen der Fachgruppe WI-VM wurde ein neues Leitungsgremium gewählt (siehe hier).

 

Die Fachgruppen Vorgehensmodelle und Projektmanagement (beide GI) und die Fachgruppe IT-Projektmanagement (GPM) bedanken sich bei den Sponsoren und insbesondere bei der FOM in Düsseldorf für die Bereitstellung der Tagungsräume und die hervorragende Unterstützung der Tagungsdurchführung. 

 

Die PVM wird 2019 fortgesetzt. Das Leitthema sowie der Termin und der Tagungsort werden Anfang 2019 auf der Internetseite www.pvm-tagung.de bekannt gegeben.

 

Der Tagungsband wurde in den GI Lecture Notes in Informatics (Band P276) veröffentlicht:

Mikusz, M.; Volland, A.; Engstler, M.; Fazal-Baqaie, M.; Hanser, E.; Linssen, O. (Hrsg.): Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2018. Der Einfluss der Digitalisierung auf Projektmanagementmethoden und Entwicklungsprozesse, Lecture Notes in Informatics (LNI) - Proceedings, Volume P286, Bonn: Gesellschaft für Informatik und Köllen 2018 (ISBN 978-3-88579-680-0, ISSN 1617-5468)

Letzte Änderung: 2018-11-08 durch Dr. Masud Fazal-Baqaie